Das ansteigende Armutsrisiko in Luxemburg

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Das Wohnungsproblem allen voran, die Prekarität der Arbeitsverhältnisse, welche auch die Gewerkschaften nicht aufgehalten haben, (CDD anstelle CDI) gleich hintendran. Die erhöhte Konkurrenz für Arbeitnehmer welche sich die Arbeitgeber im größtmöglichen Umfang zu nutze gemacht haben, sowie die konstante Bremsung der Lohnentwicklung, haben deutlich zum Armutsrisiko beigetragen. Alles Entwicklungen die im Zuge der EU-isierung stattgefunden haben.


Das wahnsinnige und irrsinnige Konzept, daß man einfach alle Einwohner zu hochqualifizierten Arbeitnehmern umrüstet und dadurch die Wertschöpfung steigert. Es klappt nicht, hat nicht geklappt und wird nie klappen. Das nicht nur, weil die Menschen das nicht allesamt bringen können, nein auch weil die Wirtschaft unwillens und unfähig ist dieses Potenzial umzusetzen.


Was ist denn wirklich aus diesem wahnsinnigen und irrsinnigen Konzept geworden? Es wurde Seitens der Wirtschaft “mat Waasser gekacht”. Eigentlich schlimmer noch, das Konzept wurde schamlos pervertiert. Wo früher noch nach erfoglreichen Sekundarschulabschluß, Menschen nicht für einen Beruf in den Firmen ausgebildet wurden, wird heute 3 bis 5 Jahre Studium verlangt, um dann Jobs zu machen die unterfordernd und unterbezahlt sind. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist eine Anzeige die ich einmal gesehen habe, wo eine Firma die der Finanzindustrie zuzuordnen ist, eine(n) Rezeptionist(in) mit BAC+5 als Bildungsniveau gesucht haben. Der selbe Wirtschaftszweig der sich andauernd darüber beklagt, daß er kein Personal findet. Die Firmen und Arbeitgeber haben total verlernt mit dem zu arbeiten was vorhanden ist und versuchen eine Arbeitnehmerschaft nach Katalogformat zu erschaffen. Und auch diese hochqualifizierten Arbeitnehmer sollten idealerweise nichts kosten.


Die Kosten der Firmen müssen ständig sinken und die Gewinne ständig steigen. Genau dieses maßlose und unzurechnungsfähige Verhalten macht unsere Gesellschaft kaputt. Dazu kommt noch, daß Produkte eher vernichtet oder irgendwo zum verrotten abgestellt werden, als Sie zu einem reduzierten Preis zu verkaufen, damit die Preise niemals sinken können. Dies hat nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun, genauso wenig wie Lobbyismus oder Mono- respektiv Oligopole. Ein extremes Beispiel ist der Immobilienmarkt wo das gesamte verfügbare Bauland, sehr vorsichtig geschätzt, in der Hand von 20.000 Menschen ist, die die Inflation des Preises für Bauland quasi diktieren und den Rest der Gesellschaft ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Diese Menschen haben durch die Notwendigkeit zu wohnen, alle Vorteile eines Drogendealers, denn die Nachfrage steigt stetig.


Nicht allein weil es den Regierungen allesamt seit mindestens 20 Jahren am Allerwertesten vorbeigeht, wenn die Einwohner hier keine Arbeit finden und immer mehr Menschen aus der Großregion gezwungen sind bis zu zwei Stunden zweimal am Tag im Stau zu stehen, weil in ihren Heimatländern die Arbeit auch nicht angemessen bezahlt respektiv überhaupt Arbeitsplätze geschaffen werden. Hier in Luxemburg hat die Wirtschaft es total gut verstanden, auch Dank der Bewegungsfreiheit in der EU, welche sich aber immer weniger Leute leisten können zum Reisen zu benutzen (ausser zur Arbeit), die Armut in der Großregion für sich zu nutzen.


Ein kleines Off-topic hier noch, hört endlich auf den Anfang der Wirtschaftskrisen auf 2008 zu datieren, wir haben uns nie von 2001 erholt, die Verluste damals wurden nie konsolidiert, es wurde auf dem Rücken der Steuerzahler, der Rentner und der Arbeitnehmer die Wirtschaft künstlich aufgebläht. Deshalb wird es auch immer wieder in immer kürzeren Abständen zu Krisen kommen, jedesmal wenn sich ein Mißstand nicht mehr verstecken oder schön reden läßt. Die Krise von 2001 hatte auch nichts mit dem 9/11 zu tun, denn die Budgets wurden in der Finanzindustrie schon März/April des selben Jahres hier in Luxemburg eingefroren.


Ja das Problem ist komplex und riesig, aber nicht unüberschaubar und kein Mysterium, wenn man sich mal Mühe gibt sich damit zu befassen. Anstelle einer EU die genutzt wird um Probleme zu lösen die die Fähigkeiten eines einzelnen Landes übersteigen, haben wir eine EU die Probleme schafft die ein einzelnes Land gar nicht hervorrufen könnte.


In eigener Sache:

Die politische Meinung und Sichtweise des Autors ist seine Eigene und entspricht nicht zwingend der Position der Sozialliberalen Partei Luxemburg.

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